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Bullshit made in Germany 4

Bullshit made in Germany 4

Schlandnet Anders Thema: Das Schlandnet. Dieses magentafarbene “T”, das kommt in allen vier Themen immer sehr prominent vor. Schlandnet ist schwierig zu erklären, ich habe das oft versucht und auch Clemens hat sich daran probiert. Ich werde es jetzt mal vereinfacht und pointiert darstellen. Als das Internet gelegt wurde, wurden diese Kabel in der Erde vergraben. Das wurde primär von Leuten gemacht, die im In-der-Erde-vergraben-Business sind.

(Publikum lacht, Applaus)

Und Leute, die im In-der-Erde-vergraben-Business sind, haben in der Regel ein so großes Business, dass sie sich nicht an Ländergrenzen halten. Die verlegen ein Rohr von hier nach dort, durch drei Länder durch, da legen wir jetzt ein bisschen Glasfaser mit hinein, dann haben wir Internet. Das heißt, dass die Kabel für unser Internet sich selten an Ländergrenzen halten. Alles was Internet ist, muss ja miteinander verbunden sein und dafür gibt es sogenannte “Commercial Internet Exchanges”.

DE-CIX In Deutschland haben wir einen ganz schönen in Frankfurt. Der gilt, glaube ich, sogar als einer der größten weltweit, oder ist der größte weltweit, wo also alles, was irgendwie Internet macht, ob es ein Rechenzentrum ist, ob es ein Email-Provider ist oder irgendwas, das mit dem Internet verbunden sein muss, die haben in der Regel ein Kabel nach Frankfurt liegen. Und dort ist dann der DE-CIX, wo alles zusammen kommt. Dort haben alle ein Kabel hingelegt und machen so etwas wie wir hier: Sie stecken Kabel aneinander. Jetzt könnte man ja denken, dass das alles wunderbar ist. Was hier passiert, ist, dass alle irgendwie aneinander gesteckt sind und ihre Datenpakete hinschicken können, wo sie wollen.

Deutsche Telekom Jetzt haben sich aber einige Anbieter gedacht, dass sie so groß sind, dass Andere einen größeren Vorteil davon haben, wenn sie sich mit dem Anbieter verbinden, als der Anbieter einen Vorteil hat sich mit ihnen zu verbinden. Genau das macht die Deutsche Telekom. Die hat viele Kunden und sagt, dass wer mit ihr verbunden werden möchte, peeren möchte, der möge bitte dafür zahlen. Und übrigens, wenn du ein Kabel zum DE-CIX hast, bringt das nichts, denn wir sind in Klein-Buxtehude.

¥€$ Ach, du brauchst ein Kabel dahin? Kein Problem, denn wir sind im Loch-Grabe-Business, wir geben dir das Kabel. Wenn ein Anbieter eine Verbindung zur Deutschen Telekom braucht, weil er ein Rechenzentrum aufmacht oder einen Server hat, und mit der Deutschen Telekom am DE-CIX peeren möchte, dann sagen die: “Klar, kein Problem. Wie viel hast du denn?” Das ist die Standartantwort der Telekom: ¥€$!

(Applaus)

Level(3) Das ist über die letzten zehn Jahre in Deutschland passiert und hat dazu geführt, dass die ganzen Anbieter ja trotzdem die ganzen tollen Telekom-Kunden haben wollen. Sie möchten ja irgendwie ihre Inhalte zu den vielen Nutzern bringen. Also gehen die folgenden Weg: Sie machen einen Peering-Vertrag mit Level(3). Level(3) ist wiederum so groß, dass selbst die Telekom kleiner ist und sagt bei uns gibt es Internet. Punkt.

NSA Die sagen, dass wenn sie dein neues Internet sind, dann gibt es alle Verbindungen, auch die zur Deutschen Telekom, die interessanterweise in Deutschland teurer gewesen wäre. Das heißt für den deutschen Anbieter, dass er, um mit den deutschen Telekom-Kunden vernünftig verbunden zu sein, lieber einen kleinen Umweg geht. (Über die NSA)

(Publikum lacht)

Die Leitungsgeschwindigkeit korreliert nämlich nicht wirklich mit der physikalischen Distanz. Es ist vielleicht eine Millisekunde mehr, dafür hat er aber eine vernünftige Anbindung an die Telekom-Kunden. Diese Politik der Telekom hat dazu geführt, dass sich ein Schlandnet nicht automatisch ergeben hat, unabhängig davon, ob Schlandnet eine gute Idee ist oder nicht. Aber es ist der Telekom zu verdanken, dass wir keines haben. Nun, jetzt könnte man denken, dass die Telekom nicht sehr glücklich über diese entgangenen Kunden ist. Es wäre natürlich schöner, wenn sie direkt bei der Telekom zahlen würden, aber das tun sie ja nichts, weil es ja ein unregulierter Markt ist und die Leute sich aussuchen können, mit wem sie peeren.

¥€$ Wenn wir ein Schlandnetz hätten, und sagen würden, dass alles innerhalb von Deutschland geroutet werden muss, dann gibt es eine große Firma in Deutschland, die sehr davon profitieren würde. Das ist die Telekom. Die wird natürlich sagen was sie immer sagt: Machen wir! (¥€$!) Die internationale Konkurrenz ist dann ja weg. Jetzt hat der DE-CIX, an dem irgendwie halb Europa peert, aber auch Probleme, denn es halten sich Gerüchte, dass dort sowohl deutsche als auch US-amerikanische Geheimdienste an den Kabeln schnorcheln. Ein Schlandnet sähe dann irgendwann einfach so aus. Auch da haben wir keinen Gewinn, wir haben die gleiche Situation wie vorher, es ist nur jemand anderes, der uns abhört.

Fazit: Schlandnet Also Fazit zum Schlandnetz: Es löst keine Probleme sondern zentralisiert sie. Es widerspricht den physikalischen Gegebenheiten der Leitungen, denn die liegen nicht so, dass sie an den Ländergrenzen enden. Es erhält bzw. erhöht die Überwachungsmöglichkeiten für deutsche Dienste. Und es erhöht die Marktmacht und den Umsatz der Deutschen Telekom. Außerdem die die bisherige Politik der Deutschen Telekom Hauptgrund dafür, dass sich kein Schlandnet ergeben hat.

Cloud Letztes Thema: Cloud. Ursprünglich wollte ich dieses Thema sehr viel ausführlicher behandeln, aber die anderen Themen sind doch ganz nett. Eigentlich ist zu der Cloud nur eines zu sagen, das hat Frank Rieger vor wenigen Wochen dem Rene Obermann von der Deutschen Telekom persönlich gesagt: “Ihre Daten sind woanders und Sie wissen nicht, wo. Davon halte ich prinzipiell nichts.”

(Publikum lacht, Applaus)

An dieser Stelle gilt eigentlich das Wort des Gelehrten und das Thema ist damit eigentlich behandelt.

cloud-computing Die Situation für Cloud in Deutschland ist natürlich echt schlimm. Es gibt einfach keine nennenswerten Cloud-Anbieter. Die deutschen Geheimdienste sitzen da und sagen “Mist, schau mal da bei den Amis.” und die deutschen Kunden Anbieter sitzen da und sagen “Mist, wir haben keine Kunden” Auch da wieder das große magentafarbene “T”, auf diesen Cloud-Zug aufzuspringen. Cloud war echt der heiße Scheiß und alle machen es außer der in Deutschland.

Cloud Vor zwei oder drei Jahren bin ich dann zum ersten Mal auf Bemühungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, dem Wirtschaftsförderungsorgan der Bundesrepublik Deutschland in diesem Bereich, gestoßen, wo dann gesagt wurde, dass ein Eckpunktepapier “Cloud” gemacht wird. Da machen wir dann so Kriterien und so drei Checkmarks muss man mindestens haben und wenn man noch zwei mehr hat, dann kann man seinen Dienst nicht Silber sondern Bronze nennen und dann ist das eine Cloud der Klasse C+ oder so, sodass dann eine relativ einfache T-Systems-Cloud daran schreiben kann “Platinum”, super, deutsch und deutsch und deutsch. Das habe ich mir dann angeschaut und mich vor einem Jahr schon so ein bisschen darüber lustig gemacht und mich geärgert, weil natürlich auch hier der eine entscheidende Punkt, der eine Cloud akzeptabel macht ist, wenn ich eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung da rein baue. Das heißt, dass ich Dateien, die ich in die Cloud werfe und verschlüssle sie vorher auf meinem Rechner, und zwar so, dass der Cloud-Anbieter dieses Passwort nicht hat, sodass ich den Cloud-Anbieter zu einer Festplatte degradiere. Das ist das, was ich mit meinen Dateien mache.

Ich war jahrelang Dropbox-Nutzer. Jetzt habe ich mir gedacht, dass mir das Geld dafür zu schade ist, ich habe einfach alle Dateien, die ich da hineinblase, vorher verschlüsselt, sodass ich auch mit jedem Cloud-Anbieter arbeiten kann. Das wäre ein super Standard gewesen, wenn das BSI geprüft hätte, ob das vernünftig gemacht wird und dann könnt ihr einen auf Deutschland-Cloud machen.bearingpoint Haben sie aber nicht. Dann habe ich mich gefragt, wer die denn beraten hat.

(BearingPoint)

(Applaus)

Auch hier wieder die Anfrage der Linken.

Vorherige:

Bullshit made in Germany 3.

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